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Marginalien aus zehn Jahren Verbandsarbeit: Stellungnahmen und Leserbriefe zu aktuellen Themen
01.01.96
Zum Thema Mathematikdidaktik:
Wieviel Mathe braucht der Mensch im Alltag?
Mit großem Interesse lese ich die Beiträge in Ihrer Dokumentation »Wieviel Mathe braucht der Mensch im Alltag?« und möchte der Aufforderung von Claus Michael Ringel folgen, mich als Politik- und Geographielehrer, also als Nichtmathematiker zu den angeschnittenen Fragen zu äußern, die tatsächlich über die Fachdidaktik Mathematik hinaus Aufmerksamkeit verdienen. Seit rund zwanzig Jahren arbeite ich in Niedersachsen in konzeptioneller Weise an der Entwicklung der reformierten gymnasialen Oberstufe sowie an der entsprechenden Umgestaltung der Didaktik des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes mit. Das Thema der »Allgemeinbildung« ist dabei zu einem Kampfbegriff derer geworden, die zurück wollen zur alten – sozial desintegrativen – Pauk- und Lernschule. Leider begegnet man in der bildungspolitischen Diskussion – für die bedauerlicherweise die Kultusminister mit am wenigsten inhaltlich qualifiziert sind! – nur selten ernst zu nehmenden Beiträgen, die sich mit dem Bildungsanspruch der Schulen aus dem sozialen Bedingungs- und Interaktionsfeld Gesellschaft « Schüler heraus auseinandersetzen. Die Thesen von Hans Werner Heymann tun das erfreulichweise und vermeiden so die obsolete Perspektive »vom eigenen Fach her«. Der gängige Legitimationsversuch der traditionellen Schulfächer, in meinem eigenen Fachbereich in oft grotesker Weise vom Fach Erdkunde vorgetragen (vgl. z.B. Praxis Geographie 11/95!), funktioniert ja üblicherweise so, daß die grundsätzlichen Fachinteressen als unabdingbar gegeben vorausgesetzt werden – orientiert an universitären »Fachsystematiken« – und daß innerhalb dieses Fachverständnisses nach Inhalten und Methoden gesucht wird, die in der Schul- und Bildungsöffentlichkeit die Unverzichtbarkeit des Faches für die ›Allgemeinbildung‹ beweisen! Meine eigene Praxis bestätigt die – aus der Perspektive des Fachmathematikers sicher pessimistische – Situationsbeschreibung von Hans Werner Heymann, die eine Neubestimmung des Stellenwertes und der didaktischen Umsetzung des Faches Mathematik umso dringlicher macht:
Ich kann nur hoffen, daß die Thesen von Heymann zu einer neuen grundsätzlichen Diskussion um die »Allgemeinbildung« führen und das traditionelle Fachverständnis nicht nur der Mathematik infrage stellen werden! Bezug auf Frankfurter Rundschau vom 28.12.95 – Dokumentation Quelle: Leserbrief Frankfurter Rundschau Mathematikdidaktik 960101
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