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politik unterricht aktuell, Heft 2/2002: Ergänzungsmaterialien


Offener Brief an das Niedersächsische Kultusministerium

Protest gegen die geplante Schließung des Studienganges Soziologie
an der Universität Hannover

Dokument Information

 

 

Verband der Politiklehrer e.V., Hannover
Vorsitzender: Gerhard Voigt, OStR
Betrifft:
Auflösung des Faches Soziologie an der Universität Hannover


Die vom Wissenschaftsministerium geplante Auflösung des Faches Soziologie an der Universität Hannover ist unverständlich und für den Wissenschaftsstandort Hannover verhängnisvoll.
Es sollte der Hinweis nicht fehlen, dass die beiden emeritierten Professoren Oskar Negt und Peter R. Gleichmann internationale Anerkennung erfahren haben und – bei durchaus unterschiedlichem wissenschaftlichen Ansatz – in hohem Maße zur Reputation der Universität Hannover beigetragen haben. Heute sollte die Anerkennung auch Prof. Waldhoffs in der angelsächsischen wie der türkischen Wissenschaft hervorgehoben werden, die maßgeblich zum Aufbau der türkischen Zivilgesellschaft beiträgt.
Prof. Gleichmann leistete einen wesentlichen Beitrag zur Rezeption der grundlegenden neuen Forschungsperspektiven der Zivilisationstheorie in Deutschland, die Norbert Elias zuzuordnen ist.
In Osteuropa finden die Arbeiten zur Politischen Kultur und zum Zivilisationsprozess aus der Arbeit des Lehrstuhls große Aufmerksamkeit. Gerade jetzt erscheinen wieder Aufsätze von Prof. Elçin Kürºat und von Prof. Dawud Gholamasad über zentrale gesellschaftliche Probleme im Nahen Osten in international anerkannten Fachzeitschriften in Polen. Die Dissertation über Polnische Intellektuelle und Arbeiter 1980/81 von Dr. Lothar Nettelmann erschien gerade in polnischer Übersetzung. So verbindet die Arbeit des Soziologischen Instituts zentrale Problem- und Konfliktbereiche in Osteuropa und dem Nahen Osten, die im Kontext der zunehmenden Globalisierung für unsere eigene Entwicklung von großer Bedeutung sind.
Die aus dieser Arbeit hervorgegangene Deutsch-Türkische Vereinigung für Sozial- und Geisteswissenschaftlichen Austausch, Hannover, e.V. (am Soziologischen Institut der Universität Hannover) veranstaltet in regelmäßiger Folge hochrangige Tagungen in der Türkei und im Wechsel in Hannover mit europapolitischen Themen. Die Tagungsergebnisse finden sich in einer immer umfangreicher werdenden Schriftenreihe.
Die Bedeutung des langjährigen Forschungs-Schwerpunktes Migrationsforschung ist in diese Arbeitsbereiche sinnvoll eingebunden und ermöglicht aktive und wirksamen Einflussnahme auf die öffentlichen Diskussionen über die Situation der Migranten in Deutschland und die Möglichkeiten einer verständnisvolleren Einwanderungspolitik.
Der Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, sieht in diesen thematischen Schwerpunktsetzungen die Realisierung zentraler Schlüsselprobleme für den Politikunterricht an den niedersächsischen Schulen. Die Politikdidaktik ist abhängig von dieser aktiven Forschungsarbeit des Faches Soziologie und die Lehrerausbildung im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenbereich benötigt die Lehrangebotes des Faches Soziologie dringend. Für die Politische Bildung wäre der Verlust des Faches Soziologie in der Universität Hannover eine Katastrophe. Es fällt schwer, hier nicht sachfremde politische Motive zu sehen, um eine kritische Stimme in den gesellschaftlichen Diskursen zum Schweigen zu bringen.

Hannover, 26. Sep. 2003
Verband der Politiklehrer e.V., Hannover
Gerhard Voigt, Oberstudienrat
Vorsitzender

Pettenkoferstr. 13
30880 Laatzen
0511-824630
politiklehrerverband.voigt@web.de
http://www.politiklehrerverband.org

 

pua 2/2002

ISSN

0945-1544

 

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell
"
Schulreform in der Kontroverse"
Hannover, 2002. A 5, kart.

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover

Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt, Pettenkoferstraße 13, D 30880 Laatzen
[ISBN 3-9807714-5-8]  8,00 EURO

eMail: politiklehrerverband.voigt@web.de

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Internetausgabe:   - Letzte Überarbeitung:
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