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"Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Peer
Steinbrück, und die Ministerin für Schule, Jugend und Kinder, Ute Schäfer
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sehr geehrte Frau Ministerin,
wir, die Unterzeichnenden, protestieren in aller Schärfe gegen die
Entscheidung Ihrer Regierung, aus der Trägerschaft des Georg-Eckert-Instituts
für internationale Schulbuchforschung (GEI) auszusteigen. Nordrhein-Westfalen
war neben Niedersachsen aktives Gründungsland des Instituts. Johannes Rau
würdigte dieses während seiner Amtszeit als Ministerpräsident mit folgenden
Worten: "Unsere politische Kultur kann dieses Institut für internationale
Schulbuchforschung nicht entbehren, weder heute noch morgen, denn die Aufgabe
hat kein Ende, sie greift über Grenzen hinaus, sie greift über Generationen
hinaus, weil Mensch und Gesellschaft der Orientierung, der Erkenntnis, der
kritischen Selbsterkenntnis bedürfen." Hält ausgerechnet Nordrhein-Westfalen
die Arbeit des Georg-Eckert-Instituts heute für überflüssig? Diese Arbeit an
einer Schnittstelle von Fachwissenschaft, Pädagogik und politischer Praxis ist
national und vor allem international hoch anerkannt. Die Verleihung des UNESCO
Friedenspreises und die Funktion des Instituts mit seinen einzigartigen
Beständen als Schulbuchzentrum des Europarates symbolisieren diese
Anerkennung. In steigendem Maße wird die Kompetenz des Hauses im Umgang mit
konfliktreichen Vergangenheiten von Transformationsgesellschaften inner- und
außerhalb Europas nachgefragt. Auch für die deutsche Bildungslandschaft ist
das Institut unverzichtbar, denn auch hier können sich die Regionen weniger
denn je selbst genügen. Ohne die internationale Forschung und Verständigung
über die Inhalte von Schulbüchern und anderen Medien kann die Verankerung
globalen Denkens in den Köpfen der nachwachsenden Generation nicht gelingen.
Keine Institution vermag dies besser zu leisten als das GEI. Es unterstützt
mit praxisnahen Empfehlungen die Bundesländer u.a. in ihrem Bestreben
multikulturelle Kompetenz und Fremdverstehen zu fördern. Dabei kann es seine
internationalen Erfahrungen fruchtbar machen. Diese Tätigkeit zu gefährden,
würde der nationalen und internationalen historisch-politischen Kultur
irreparablen Schaden zufügen. Die Bundesländer tragen im Rahmen ihrer
Kulturhoheit langfristig Verantwortung für die Kultur- und Bildungspolitik
nach innen wie nach aussen. Nordrhein-Westfalen lässt sich dagegen von
konjunkturellen, fiskalisch motivierten Erwägungen leiten. Doch die Maßnahme
und ihre Wirkung stehen in keinem Verhältnis zueinander. Der Betrag von 350
000 ?, um den es hier geht, ist für ein großes Bundesland zwar keine
Bagatelle, aber doch ein vergleichsweise bescheidener Posten im Gesamtbudget.
Ein Forschungsinstitut wie das Georg-Eckert-Institut wäre jedoch durch den
Wegfall dieser Summe im Kern gefährdet. Es kann nicht angehen, dass gerade in
einer Zeit, in der sich im Deutschland nach Pisa allmählich die Einsicht
durchsetzt, dass Bildung auch im internationalen Wettbewerb - unser
wichtigstes Kapital darstellt, einer solchen Einrichtung das Wasser abgegraben
wird übrigens entgegen offizieller Verlautbarungen von Regierungsseite, den
Bereich Wissenschaft und Bildung nicht anzutasten. Angesichts dieser nicht nur
für das Institut, sondern auch für seine internationalen Partner, für die
auswärtige Kulturpolitik und nicht zuletzt für Nordrhein-Westfalen selbst
folgenschweren Situation fordern die Unterzeichnenden die Regierung in
Düsseldorf nachdrücklich auf, ihre Entscheidung, aus der Trägerschaft
auszutreten, rückgängig zu machen.
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Mitunterzeichner:
Gerhard Voigt, Oberstudienrat, Vorsitzender des Verbandes der Politiklehrer
e.V., Hannover
Wir erlauben es uns, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, diesen Offenen Brief und
unsere Bereitschaft, ihn mit zu tragen, auf unserer Verbands-Web-Site mit Link
zum GEI zu veröffentlichen.
Mit den besten Grüßen
und ein Überdauern des Jahres 2004
Ihr
Gerhard Voigt
Pettenkoferstr. 13
30880 Laatzen
0511-824630
politiklehrerverband.voigt@web.de
http://www.politiklehrerverband.org
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