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Inhalt:
Marek Dutkowski:
Wirtschaftliche Interessen
versus Ökologie
Einführung
1.
Polen – der hausgemachte Prügelknabe in Sachen Umwelt
2.
Verbesserung der Umweltlage nach 1990
3. Trotz der besseren Wirtschaft – neue Umweltprobleme
4. Moderne Straßenverbindung des Hafens Gdingen versus
Landschaftsschutzgebiet
5.
Eine neue alte Mülldeponie für Gdingen
6.
Diesmal wollen die Danziger nicht für die Franzosen sterben
Einführung
Die rasche Entwicklung der
Marktwirtschaft in Polen löst alte Probleme, verschärft andere und bringt
viele neue mit sich. Die Umweltprobleme gehören zu denjenigen, die quer zu
dieser Aufteilung liegen. Einige werden gelöst, andere verschärft und
neue kommen noch dazu. Das Ziel dieses Vortrages ist, nicht nur die
wichtigsten Trends in der »Wirtschaft-Umwelt Beziehung« nach 1990 in
Polen zu identifizieren, sondern auch, anhand von drei Beispielen aus dem
Danziger Raum, die Art und Weise der fachlichen und politischen
Argumentation in der Ökologiedebatte und die damit verbundene
Schwierigkeiten darzustellen. Die Beispiele kommen aus der Berufspraxis
des Referenten, der neben dem akademischen Dienst als Politikberater der
Stadtverwaltung Gdingen (Gdynia) und als Chef der regionalen
Organisation des Polnischen Ökologischen Klubs tätig ist. Die Beispiele
gehören auch zu kommenden Umweltproblemen: Motorisierung und
Straßenausbau, Abfallwirtschaft und neue lndustriestandorte. Alle haben
neben den ökologischen Belangen eine große wirtschaftliche Bedeutung für
das ganze Land und die Regionen.
Die Ökologiedebatte begann
in Polen erst im Jahre 1980. Einzelne frühere Warnstimmen wurden sowohl
von der allmächtigen Partei als auch von der Öffentlichkeit nicht ernst
genommen. Im Zuge der von der Solidarno-Bewegung
ermöglichten Erweiterung der Pressefreiheit und der öffentlichen
Diskussion wurden einige bisher verheimlichte Daten publiziert. Im zähen
Propagandakampf gegen das System in den Jahren 1980-81 wurden auch die
umweltpolitischen Argumente benutzt. Natürlich, wie immer in solchen
Fällen, hat man oft übertrieben und hauptsächlich ein düsteres Bild
gemalt. Es gab jedoch gute Gründe dafür. Für die Solidarno
waren die Umweltsünder der schlampigen, ressourcenfressenden
Kommandowirtschaft und die Ratlosigkeit der Umweltämter eine sehr
geeignete Munition. Unter dem Motto »Je schlimmer, desto besser« hat man
den ganzen Industrialisierungsprozeß in Polen in Frage gestellt. Zwei
oder drei der umweltfeindlichsten Betriebe wurden infolge von Protesten
sogar geschlossen. Auch die politisch neutralen Umweltexperten wollten
den Regierenden endlich klarmachen, daß es so nicht weiter gehen könne.
Deshalb wurden - auch ohne politisches Kalkül, ‚schwarze‘ Diagnosen
gestellt,
Die größte Medienkarriere
machte eine Karte aus dem Jahre 1982 mit 27 sogenannten ökologisch
bedrohten Gebieten. Drei davon (das Oberschlesische Industrierevier, das
Liegnitz-Glogauer Kupferrevier und die Danziger Bucht mit dem
Verdichtungsraum Danzig-Gdingen) wurden sogar zu Ökokatastrophengebieten
erklärt. Diese Karte ist seither in vielen ausländischen, unter anderem
auch deutschen Büchern zu finden. Kein Wunder, daß eben in Deutschland in
den achtziger Jahren ein Buch unter dem Titel »Bald ist Polen doch
verloren« erschien und breit gelesen wurde. Die graue Bilanz Polens
wurde von in Scharen kommenden Deutschen praktisch vor Ort geprüft. In der
Danziger Bucht darf man nicht baden, in Gleiwitz nicht atmen und in
Warschau kein Leitungswasser trinken. Mit der Etikette eines ökologisch
ruinierten Landes begann Polen im Jahre 1990 seine Reise in die Weit der
freien Wirtschaft und Demokratie.
Man muß zugeben, daß
während der Gespräche am sog. »Runden Tisch« im Jahre 1989 die
Umweltprobleme keine Relevanz bekamen. Auch das öffentliche Interesse lag
schon woanders. Am Runden Tisch hat man sich schnell geeinigt über die
Notwendigkeit des ökologischen Umbaus der Wirtschaft und geglaubt, daß die
Privatisierung, Konkurrenz und ausländische Investitionen diesen Umbau
möglich machen würden. Die nachhaltige Entwicklung (sustainable
development) hieß diesmal das Motto und wurde als Prinzip der
Entwicklungspolitik in die neue Verfassung aufgenommen.
Schnell wurde klar, daß
diese Hoffnungen gegenüber der Realität gar nicht fern waren. Die
industriellen Emissionen ins Wasser und in die Luft wurden in Polen in den
letzten acht Jahren drastisch reduziert. Dies betrifft den Staub, die SO2,
NOX industriellen
Abfälle und Abwasser, darunter versalztes Abwasser aus den Kohlengruben
Oberschlesiens, das die Weichsel stark belasteten. Der
Primärenergieverbrauch, sowie der Wasserverbrauch pro Kopf und pro
BSP-Einheit wurde ebenfalls reduziert. Auf dem Lande hörten zahlreiche
große Zuchtbetriebe auf, die Gegend mit Gülle zu verschmutzen. Der
Verbrauch von Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln ist auch gesunken. In
der Danziger Bucht darf man wieder baden, man atmet in Gleiwitz etwas
leichter, obwohl das Trinken von Leitungswasser in der polnischen
Hauptstadt für empfindliche Magen noch immer riskant ist.
Ursachen dieser positiven
Veränderungen liegen leider nicht nur in der gelungenen Umweltpolitik,
sondern sollen eher den allgemeinen Prozessen der Umstrukturierung der
Wirtschaft und Demokratisierung des Staates zugeschrieben werden. Der
konvertierbare und immer stabilere Zloty ermöglicht den Import von
notwendigen technischen Anlagen. Die selbstständigen Gemeinden kennen
besser die lokalen Umweltprobleme, gehen effektiver mit den öffentlichen
Mitteln um und organisieren geschickter die Partnerschaft im Dreieck
»Gemeinde – Bürger – Wirtschaft«.
Man muß wissen, daß der
größte Teil der Umweitbelastung Polens in den achtziger Jahren auf relativ
wenige (circa 80) große Kraftwerke, Hütten und Chemiewerke zurückzuführen
ist. Viele umweltbelastende Großbetriebe oder die einzelnen
Produktionsanlagen wurden wegen ihre Unrentabilität liquidiert.
Zahlreiche kleinere Industriefirmen haben ihre Produktion aufgrund von
Absatzproblemen reduziert. In Betrieben, die durch die Multinationalen
übernommen wurden, hat man die notwendigen umwelttechnischen Maßnahmen
ergriffen. Aber auch die großen staatlichen Firmen, insbesondere im
Bereich der Energieversorgung, haben kostspielige Investitionen gemacht
und Staub-, SO2- sowie
NOX-Emissionen stark
reduziert. Diese Investitionen waren möglich, weil die Preise für Energie
die ganze Zeit stiegen. Die Qualität der Kohle hatte sich verbessert. Die
Wärmeisolierungs-Maßnahmen wurden von vielen Haushalten aus privaten
Mitteln unternommen, aber auch durch die Wohnungsgenossenschaften und
Gemeinden finanziell unterstützt. Der schnelle Ausbau des Gasnetzes
machte es möglich, lokale Belastungen durch Staub, Qualm und SO2 aus
den Kleinbetrieben und Haushalten zu verringern.
Der zweite positive Faktor
ist die Dezentralisierung des Staates. Die polnischen Gemeinden haben
große Befugnisse und Mittel bekommen. Der Nachholbedarf im Bereich der
kommunalen Infrastruktur war aber auch sehr groß. In den letzten acht
Jahren haben sich manche Gemeinden auf die Investitionen in der Wasserver-
und -entsorgung konzentriert. Tausende Kilometer des Kanal- und
Wasserleitungs-Netzes, hunderte von kleinen Klärwerken wurden gebaut. Das
Hauptziel der nationalen Umweltpolitik im kommunalen Bereich war auch die
»Abwasserreduzierung«. Die Hilfsmittel der Weltbank und der EU wurden
auch vor allem mit diesen Zwecken verbunden. Durch die gute
Zusammenarbeit mit den Bürgern und der Privatwirtschaft konnten viele
Projekte durchgeführt werden, die für die einzelnen Partner nicht
möglich waren. Wasser wird allerdings immer teuerer, vor allem für die
Wirtschaft, aber auch für die Haushalte. Deswegen, insbesondere in den
Städten, wurden Sparmaßnahmen ergriffen, die zur Reduzierung des
Wasserverbrauchs geführt haben. Das alles hat zur qualitativen
Verbesserung der Oberflächengewässer in Polen geführt.
Der dritte Faktor ist das
steigende Umweltbewußtsein der Bevölkerung. Dieser Prozeß ist jedoch
stark differenziert zu betrachten in Bezug auf soziale Schichten,
Regionen, Stadt und Land, sowie die Ortsgrößen. Im allgemeinen sind die
polnischen Bürger zunehmend bereit, den Hausmüll zu sortieren, das Wasser
und die Energie im Haushalt zu sparen, für die Grünanlagen zu sorgen. Die
Projekte und Konzepte einer nachhaltigen Stadtentwicklung, die im Rahmen
der »Agenda 21« in vielen Orten durchgeführt wurden und werden, wecken
lokale Bürgerinitiativen und großes Interesse der Bevölkerung. Leider
haben wir auf der anderen Seite mit der ‘Faszination Auto’ und dem
verpackungsorientierten Konsum zu tun. Dies bringt neue Umweltprobleme
mit sich, bevor die alten gelöst werden konnten.
Die wachsende Wirtschaft
und der steigende Konsum lösen neue Umweltprobleme aus. Zu den
wichtigsten gehören: Luftbelastung und Lärm durch den Autoverkehr,
wachsende Hausmüllmengen, Zersiedlung der vorstädtischen und
landschaftlich attraktiven Gebiete. Gleichzeitig verursacht fast jeder
neue Standort Proteste in der Nachbarschaft. Tankstellen,
Produktionsbetriebe, Supermärkte, Discos, Antennen, Lager, Kinos,
Sportplätze, Mülldeponien, Straßen, Parkplätze, Leitungen - alles ist
notwendig aber unerwünscht im eigenen Hof. Die im Zuge der Proteste
entstandenen Bürgerinitiativen benutzen oft ökologische Argumente.
Letztendlich sind die Grenzwerte nur juristische Konstrukte und
langfristige Wirkungen außerhalb der Wissenschaft unterbleiben. Die
Bürger suchen Hilfe bei den Umweltverbänden. Die Medien wollen auch
mitwirken. Die Konflikte werden immer schärfer und komplizierter. Die
wirtschaftlichen und ökologischen Interessen sind immer schwerer zu
definieren. Immer öfter ist der scheinbare Umweltsünder gar nicht so
schädlich, wie die selbsternannten Umweltbefürworter. Kühnes Kalkül,
Kompetenz, Naivität, Gier, Unverantwortlichkeit, Ökowahn, ehrliches
Engagement und einfache Dummheit - alles wird zur explosiven Mischung. An
den drei folgenden Beispielen wird deutlich gemacht, daß auch in Polen die
Beziehung zwischen Wirtschaft und Ökologie immer komplizierter und
undurchschaubarer wird.
Die Stadtverwaltung
Gdingen versucht seit fast 20 Jahren eine Schnellstraße (die sog.
Kwiatkowski-Trasse) zu bauen, die den Containerhafen mit der
Umleitungsstraße der Dreistadt verbinden soll. Gleichzeitig bringt diese
Straße den nördlichen Teil der Stadt dem Zentrum näher. Dabei muß jedoch
eine große Fläche von wertvollem Mischwald geopfert werden. Das ganze
Waldgebiet gehört dem Staat, nicht der Stadtgemeinde Gdingen, und wird
als Landschaftsschutzgebiet vor solchen Investitionen rechtlich
geschützt.
Der Hafen in Gdingen (ca.
10 Mio. Tonnen Umsatz) ist in erster Linie Stückgut- und Containerhafen.
Gebaut in den dreißiger Jahren als Konkurrenz für Danzig, verfügt er vor
allem über Bahnverbindungen. Heute müssen Trucks mit den Containern durch
die Stadtmitte fahren. Die Hafenverwaltung sieht Chancen im Bau dieser
Straße, um den Hafen als Verkehrsknotenpunkt und lndustriestandort
attraktiver zu machen. Die Stadtverwaltung glaubt, daß die
Kwiatkowski-Trasse das Stadtzentrum entlastet. Man träumt von der
Nord/Süd-Autobahn, die ihren Endpunkt im Hafen Gdingen haben wird, was
die Waren- und Passagierströme aus Skandinavien intensivieren soll.
Deswegen versucht man mit allen politischen und rechtlichen Mitteln, auch
durch geschaffene Tatsachen, diese Investition durchzusetzen. Der
einzige Grund, warum es mit dem Bau so lange dauert, liegt darin, daß die
Stadt nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt. Man sucht
jedoch intensiv nach Krediten von der Weltbank.
Die Gegner dieses
Konzeptes kommen aus der Waldverwaltung und der Umweltverbänden. Der
Umweltminister war bis heute auch dagegen. Die öffentliche Meinung ist
geteilt. Diejenigen, die ein materielles Interesse haben, daß die Straße
gebaut oder nicht gebaut wird, verhalten sich auch entsprechend. Es
liegen unterschiedliche wissenschaftliche Gutachten vor. Viele lokale
Baufirmen und Projektbüros hoffen auf Aufträge. Der neueste Stand des
Konfliktes ist, daß die Umweltverbände, darunter der Polnische
Ökologische Klub, bei dem Obersten Verwaltungsgericht haben prüfen
lassen, ob ein Streifen Land aus einem Landschaftsschutzgebiet durch den
Umweltminister ausgeschlossen werden darf.
Die Lösung des Problems,
die dem Wald nicht schaden würde, ist bekannt. Man kann die Straße anders
bauen - durch das Hafengebiet und dann bis zur Kreuzung Nord. Eine
offizielle UVP-Studie hat es auch bestätigt. In einer Diplomarbeit an der
Universität wurde nachgewiesen, daß auch nach den Prinzipien der
Hafenverwaltung und Stadtverwaltung die andere Variante besser sei. Nur
die subjektiv angenommenen hohen Kosten schließen diese aus. An der
Waldvariante der Kwiatkowski-Trasse hängen gezeichnete Planungskonzepte,
kleine Interessen, politische Karrieren und wissenschaftliche
Autoritäten, vor allem jedoch die geschaffenen Tatsachen, z.B.
geduldete oder sogar bewilligte Bauaktivitäten im Hafengebiet und rund
um die Kreuzung Nord, die eine umweltschonende Variante technisch und
rechtlich immer schwieriger machen.
Am Schluß muß man sagen,
daß die Weltbank oder der EU als potentielle Kreditgeber nochmals prüfen
sollen, ob der wirtschaftliche Nutzen im Hafen Gdingen wirklich so hoch
sein wird, daß die ökologischen Schäden sich lohnen und langfristig
angeglichen werden können (z.B. durch Waldpflanzung). Das Projekt wurde
nämlich, als Prioritätsinvestition in ein vom EU-Programm ISPA
finanziertes Straßenausbauprogramm aufgenommen.
Dieselbe Stadt Gdingen hat
mit den Nachbargemeinden für die Lösung gemeinsamer Aufgaben im Bereich
Wasser-Ver- und -entsorgung, Fernheizung und Abfallwirtschaft einen
Gemeindeverband berufen. Die kommunalen Abfälle werden auf einer Deponie
abgelagert. Dies hat jedoch drei Nachteile: erstens liegt sie in einer
Landschaftsschutzzone (entstanden später als die Deponie), zweitens
entspricht sie nicht den Umweltvorschhften, drittens ist sie überfüllt.
Das Volumen des Hausmüll wächst dramatisch und die Vorschriften werden
immer schärfer. Abfall ist das Umweltproblem Nr. 1 geworden.
Zahlreiche Studien haben
auf die Notwendigkeit einer anderer Lösung hingewiesen. Verschiedene
deutsche, dänische und schwedische Firmen haben eine MVA im Hafengebiet
vorgeschlagen. Infolge von Protesten der Umweltverbände und der Einwohner
der benachbarten Stadtteile hat sich die Stadtverwaltung aus diesem
Konzept zurückgezogen. Die wirkliche Ursache waren jedoch nicht die
Proteste, sondem sie hohen lnvestitionskosten.
Man versuchte dann einen
möglichen Standort für eine neue Deponie zu finden. Eine vorstädtische
Gemeinde käme in Frage und sogar der Gemeindevorstand und der
Gemeinderat waren dafür. Aber die direkt betroffenen Bauern begannen sehr
heftig zu protestieren, was zu einer öffentlichen Debatte führte. Die
ökologischen Argumente waren am meisten erwähnt. Sehr schnell jedoch kam
es zu (nicht mehr öffentlichen) Geschäftsgesprächen. Die Gemeinde und die
Bauern wollten Geld. Sie wollten viel mehr als die reiche Stadtgemeinde
Gdingen bezahlen konnte. Deswegen bleibt dem Gemeindeverband nichts
anderes übrig als Erweiterung und Verbesserung der alten Deponie. Das
Konzept einer modernen Deponie mit einer Kompostierungsanlage liegt
vor. Die notwendigen Kredite wurden beantragt. Die Pilotprojekte zur
Mülltrennung haben begonnen. Die Müllsammlung und der Mülltransport sind
seit Jahren privat und die Konkurrenz sorgt für vernünftige Preise. Man
kann davon ausgehen, daß in fünf Jahren die Abfallwirtschaft im
nördlichen Teil des Verdichtungsraumes Danzig-Gdingen den EU-Normen
entsprechen wird.
Die Voraussetzungen für
diesen Erfolg waren folgende: (1) politische Bereitschaft der Gemeinden
für Zusammenarbeit, (2) entsprechende Institution (Gemeindeverband), (3)
starke Führung, qualifizierte und engagierte Mitarbeiter (in diesem Fall
waren es ausschließlich Frauen), (4) entsprechende Finanzmittel, (5)
Unterstützung seitens der Umweltverbände, (6) wachsendes
Umweltbewußtsein der Bevölkerung.
Das dritte Beispiel ist
nicht umfangreich, weil die Diskussion gerade erst begonnen hat. Der
französische Chemiekonzern ELF will im Danziger Hafengebiet die größte
Fabrik in Europa für Polystyrol bauen. Man denkt an den russischen Markt.
Polystyrol (260 Tausend Tonnen pro Jahr als Ziel) wird nicht nur in der
rasch in Polen wachsenden Verpackungsindustrie verwendet, es dient aber
auch als Isoliermaterial.
Der notwendige Rohstoff
ist Styrol, der zu den Benzolkohlenwasserstoffen gehört. Man plant, die
giftige Flüssigkeit mit den Schiffen aus dem Ausland zu importieren. In
der ersten Phase werden die Lieferungen mit Tankwagen erfolgen. Dazu
kommt, neben der zusätzlichen Straßenbelastung, noch das große
Unfallrisiko. Eine erste UVP-Studie war für den Umweltminister nicht
ausreichend. Eine zusätzliche Studie soll schon den Anforderungen
entsprechen. Der Polnische Ökologische Klub hat ein eigenes Gutachten
erstellen lassen. Obwohl die Anlage zu den modernsten gehören wird, kann
eine absolute Sicherheit nicht garantiert werden. Das ganze Gebiet ist
schon vorbelastet. Die Bürgerinitiativen, aber auch die städtische
Umweltbehörde betonen, daß der Betrieb nicht ins Konzept der
nachhaltigen Entwicklung der Stadt Danzig gemäß der »Agenda 21« paßt. Der
Konzern versucht jetzt mehr offen zu handeln. Die potentiellen Vorteile
für die Stadt sind nur rund 60 Arbeitsplätze. Der Stadtvorstand erklärte,
daß der Fall besonders sorgfältig geprüft wird. Vor kurzem wurde
beantragt, dass der Antrag vorläufig abgelehnt wurde.
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