Home Nach oben Ziele Schulpolitik Schulreform Marginalien Rechtsradikalismus Staatsgesellschaft Globalisierung Polen Impressum

Dokument Information

zur Seitennavigation

Stichworte zu einer Krisenbeschreibung

der heutigen pädagogischen Situation mit einigen Ausblicken auf eine Reform der didaktischen Ansätze - nicht nur in den politik- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern.

Der Verband der Politiklehrer möchte eine neuen Schritt in die grundsätzlichen pädagogischen Diskurse hinein tun und aus den Stichworten ein umfangreicheres Diskussionspapier entwickeln. Die vorliegende Fassung stammt von Gerhard Voigt und Dr. Lothar Nettelmann - und der Verbad wie die Autoren erhoffen sich aus dem Kreis der Leser Kritik, Ergänzungsvorschläge, grundsätzliche Formulierungen und und Diskursbeiträge...

Nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Kontaktmöglichkeiten vgl. Impressum bzw. Adressen des Verbandes der Politiklehrer

Arme Kinder – Arme Lehrer

Wie Gesellschaft und Politik Kindheit und Schule kaputt machen

Exposé

  1. Die fünf nicht bewältigten gesellschaftlichen „Megatrend“, die unsere Zivilisation in Frage stellen

    1. Ökonomisierung des Denkens – Leben zur Gewinnorientierung und als Gewinn-Verlust-Bilanz

    2. Globalisierung von Wirtschaft und Macht – Entwertung und „Privatisierung“ ziviler Verhaltensweisen – Krise der Zivilgesellschaft

    3. Legales Gewaltmonopol – Legitimität einer Brutalisierung der Gesellschaft

    4. Verfestigung der Sozialen Ungleichheiten – Sicherung der Privilegien der Herrschenden bzw.der Machteliten und der jeweils über die Macht Verfügenden

    5. Besetzung der zentralen Begrifflichkeit – Anathematisierung des eigenen Denkens

  2. Die fünf zentralen verhängnisvollen Begriffe der Herrschaftssicherung

    1. Konkurrenz und Evaluation – „Der Krieg Aller gegen Alle“ (Hobbes)

    2. Konformität und Profilierung – „Diese Zwänge zur Identifikation und Individualisierung, zu Konformität und Profilierung, gehen wie die zwei Sei­ten eines Januskopfes aus ein und demselben Prozess der Zivilisation hervor“ (Cas Wouters)

    3. Leistungsträger und Eliten – „Müssen diejenigen, die ohnehin privilegiert sind, in Hinblick auf Macht und Verfügung über materielle Ressourcen in der aktuellen Politik noch bevorzugt werden?“

    4. Markt statt Verantwortung – „Nicht allein die Wirtschaftskrise hat den Bankrott der akademischen wirtschaftstheoretischen Lehre deutlich ge­macht. Die Gedankenstrukturen, die sie vermittelt, hatten sich schon lange vorher als hohl erwiesen.“ (Joan Robinson)

    5. Spontanität – „Spontan sein heißt heute: Nicht nachdenken, kritische Distanz vermeiden, Emotionalität ungefiltert ausleben, Fremdsteuerung zulassen...“ (das bedeutet: unüberlegt, unbedarft, unkritisch handeln)

  3. Die fünf verhängnisvollen didaktischen Konzepte, die die Schülerinnen und Schüler vom Lernen entfremden

    1. Sequenzialität statt Vernetzung – dies geht vom Primat der wissenschaftlichen Systematik aus, missachtet dabei die tatsächlichen Lernprozesse

    2. Vom Nahen zum Fernen? Wir kennen die Nähe und Ferne der Erlebniswelt unserer Schülerinnen und Schüler nicht, wir gehen wieder von (nach Zufallskriterien gesetzten ) Sachstrukturen und nicht von Lernprozessen aus

    3. Arbeitsunterricht – hier wird Selbstständigkeit vorgetäuscht, aber durch die Individualisierung des Lernens wird der Lernverlauf (zum Beispiel durch „Arbeitsblätter“) umso stärker intendiert und lenkend eingeengt

    4. Abschluss-, Test- und Verwertungsorientierung (Berufsqualifikation) – hier wird auf einen Punkt hin und nicht auf ein Bildungsziel zu gelernt, nach dem Bestehen der Überprüfung fragt niemand mehr danach, was für Fähigkeiten wirklich gelernt worden sind (wird neuerdings als „Bulimie-Lernen“ bezeichnet)

    5. Sushi- und Tapas-Pädagogik – der Lernende wird als leeres Gefäß aufgefasst, das in der Schule mit einer bestimmten Anzahl (kognitiver) „Häppchen“ anzufüllen ist, bis das Bildungsziel eines angefüllten Schülers erreicht ist (auch Dolmuş-Didaktik)

  4. Fünf Säulen einer veränderten (und durchaus nicht neuen) Pädagogik

    1. Ergebnisorientiertes Lernen – wobei das Ergebnis nicht eine Prüfung ist, sondern ein gemeinsames Produkt, das in flexibel gestalteten Arbeitsschritten fertig gestellt wir: zum Beispiel handwerkliche oder künstlerische Werke, die einen eigenen Wert besitzen und auf die die Schülerinnen und Schüler stolz sein können...

    2. Projektorientiertes Lernen – hierbei werden die Arbeitsschritte selbst thematisiert, Fehler und Umwege sind notwendige Erkenntnisschritte, zum Beispiel Entwicklung eigener Versuchsanordnungen in den Naturwissenschaften wie in den Gesellschaftswissenschaften, Umgang mit Zeitzeugen und Archivalien, Kartierungen...

    3. Narratives Lernen – Erzählungen folgen, ob in der Literatur oder von Lehrerinnen und Lehrern, die damit auch ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse vermitteln können; es ist evident, dass beim Treffen ehemaliger Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrerinnen und Lehrern meist das erinnert wird, was ganz persönlich erzählt wurde...

    4. Lernen vor Ort – aus der Schule herausgehen, Projektarbeit an öffentlichen Orten betreiben, Exkursionen durchführen, Studienfahrten unternehmen – so entstehen Eindrücke und Lernerfolge, die ein Leben lang halten, wenn die kognitiven Häppchen der traditionellen Schule längst vergessen und überholt sind...

    5. Begegnung auf Augenhöhe – Schülerinnen und Schüler müssen im Sinne der Würde des Menschen als Gleiche Behandelt werden, auch dann, wenn die Lernsituationen und die Altersdifferenz eine gewisse Distanz einfordern und funktional asymmetrisch sind und sein müssen; doch die Schülerinnen und Schüler müssen spüren, dass sie in ihrer Eigenheit ernst genommen und respektiert werden...

  5. Fünf Problemkreise, die als Zentrierungsthemen beziehungsweise Diskurse die didaktisch-curricularen Konzepte strukturieren könnten

    1. Historischer Diskurs – die Gegenwart im Kontext der historischen Gewordenheit erfahren und in Figurationen denken (Norbert Elias)

    2. Natur und Gesellschaft – die Science Wars: „Für mich zumindest war klar, daß die beiden Großen Erzählungen der „Natur“ und der „Gesellschaft“, mit denen der Modernismus seine Verfassung, wie ich es nannte, konstruiert hat, stets nur den oberflächlichsten Teil dessen darstellten, was mit den Modernen geschehen ist“ (Bruno Latour)

      1. Die Familie als soziales Konstrukt – das Prinzip „Vater“ als Verweis auf die „Letztbegründung“ in Philosophie und Religion (Pierre Legendre)

      2. Geschlecht, „Gender and Sex“

      3. Wahrheit und „political correctness“ als philosophisches und gesellschaftliches Problem

    3. Soziale Ungleichheit – Geschichte, Macht und Ethik – Fach- und methodenübergreifende Unterrichtsprojekte

    4. Zivilisation, Kultur und Kulturkonflikte – Fach- und methodenübergreifende Unterrichtsprojekte

    5. Materielle Zentren der globalen Erfahrung – Energie, Wasser, Umwelt, Salz... Fach- und methodenübergreifende Unterrichtsprojekte (vgl. ältere Entwürfe in den „niedersächsischen Handreichungen“)

    Impressum dieser Seite (Dokument Information)

    Der Text ist eine politische Stellungnahme des Verbandes der Politiklehrer e.V., Hannover

    Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R. (Vorsitzender) - Kontaktdaten vgl. Impressum

    Stand: 21. November 2009

    top

    Navigation:

Hauptabschnitte: Aktuell • Ziele • Schulpolitik • Schulreform • Marginalien • Rechtsradikalismus • Staatsgesellschaft • Globalisierung • Polen • Impressum

Einzelne Kapitel: Nach oben • Stichworte zu einer Krisenbeschreibung • Kampf um bessere Bildung • Neues zum Volksbegehren • Minarettverbot in der Schweiz • Babyklappe: Zum Ethikrat • Kontaktadresse • Tagungsbericht: Tod und Ehre

Nebenseiten zu diesem Kapitel: •  •

Web-Fassung: 31.01.2006 / rev. 20.11.2009 / 20.12.2009 / 28.01.2010 / 25..07.2011 - Verantwortlich: Gerhard Voigt <bismarckschule.voigt@gmx.de>
Internet-Ausgabe der Verbandszeitschrift »politik unterricht aktuell« unter www.pu-aktuell.de
Info unter: http://www.voigt-bismarckschule.de
vgl. Impressum